Locken lufttrocknen oder föhnen? Was Lockenfriseur:innen wirklich aus der Praxis berichten

Locken lufttrocknen oder föhnen? Was Lockenfriseur:innen wirklich aus der Praxis berichten

Lufttrocknen gilt in der Curly-Community oft als die sanfte Methode für Naturlocken. Keine Hitze, kein Föhn und möglichst wenig Eingriff – so lautet die gängige Empfehlung. Doch die Erfahrungen aus der Salonpraxis zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild.

Curly’N’Covered hat deshalb eine eigene Umfrage unter spezialisierten Lockenfriseur:innen aus dem deutschsprachigen Raum durchgeführt. Ziel: verbreitete Annahmen rund ums Trocknen von Locken mit realer Salonpraxis abgleichen und die wichtigsten Muster sichtbar machen.

Hinweis: Ergebnisse dieser Umfrage wurden bereits in den Fachmagazinen TOP HAIR und ESTETICA Hair Magazine redaktionell aufgegriffen. Der vorliegende Beitrag auf Curly’N’Covered zeigt die vollständige Auswertung der Umfrage mit zusätzlichen Diagrammen und weiterführenden Einordnungen.

Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

An der Umfrage nahmen insgesamt 25 Friseur:innen teil. Ein Großteil arbeitet ausschließlich oder überwiegend im Lockenbereich. Damit basieren die Aussagen nicht auf Theorie, sondern auf täglicher Praxis mit Locken-Kund:innen.

Diagramm: Welche Aussage trifft auf dich zu? (Locken-Spezialisierung vs. regelmäßig Locken)
Quelle: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter Lockenfriseur:innen (n=25).

Welche Trocknungsmethode sehen Friseur:innen häufiger als problematisch?

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass vor allem Hitze problematisch sei, bewerten die befragten Friseur:innen Lufttrocknen in der Praxis häufiger als Problemursache als das Trocknen mit Diffusor. Das ist kein Plädoyer für hohe Temperaturen, sondern ein Hinweis darauf, dass Dauer, Reibung und fehlende Kontrolle entscheidend sind.

Diagramm: Welche Trocknungsmethode siehst du in deiner Praxis häufiger als problematisch?
Quelle: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter Lockenfriseur:innen (n=25).

Warum Lufttrocknen nicht automatisch schonend ist

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass Lufttrocknen automatisch schonend sei. Viele Kund:innen verzichten bewusst auf jede Form aktiver Unterstützung und lassen das Haar passiv trocknen. Besonders kritisch ist die lange Phase, in der das Haar nass bleibt – denn in diesem Zustand ist die Haarfaser besonders empfindlich gegenüber mechanischer Belastung.

Elke Göttgens von CURL EDUCATION

„Lufttrocknen ist nicht automatisch schonend. Bleibt das Haar sehr lange nass, fehlt oft die nötige Unterstützung am Ansatz. Die Locke verliert dort an Halt, das Volumen fällt zusammen und platte Ansätze sind die Folge. Entscheidend ist ein kontrolliertes Wasser-Management und die richtige Vorbereitung.“

Welche problematischen Aussagen hören Friseur:innen besonders häufig?

Die Umfrage zeigt, dass pauschale Aussagen in der Community besonders verbreitet sind – und in der Praxis gleichzeitig häufig zu Frust führen, weil sie wichtige Variablen ausblenden: Haarstruktur, Reibung, Wasser-Management, Technik und gewünschte Definition.

Diagramm: Welche Aussage hörst du von Locken-Kund:innen besonders häufig und hältst sie für problematisch?
Quelle: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter Lockenfriseur:innen (n=25).

Welche Probleme beobachten Friseur:innen bei Kund:innen, die überwiegend lufttrocknen?

In der Salonpraxis berichten Friseur:innen häufig von Frizz, instabiler Lockenstruktur und fehlender Definition. Das Muster dahinter ist oft nicht „Luft“ an sich, sondern die Kombination aus langer Feuchtigkeit, fehlender Struktur und Reibung.

Diagramm: Welche Probleme beobachtest du bei Kund:innen, die überwiegend lufttrocknen?
Quelle: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter Lockenfriseur:innen (n=25).

Reibung: der unterschätzte Faktor beim Trocknen von Locken

Ein zentraler Aspekt, der sich durch viele Rückmeldungen zieht, ist Reibung – nicht nur durch Handtücher, sondern auch durch Kleidung, Bewegung und häufiges Berühren nasser Haare. Gerade weil Locken im nassen Zustand besonders sensibel reagieren, spielt dieser Faktor in der Beratung eine größere Rolle, als viele erwarten.

Diagramm: Welche Rolle spielt Reibung (z. B. durch Handtücher, Kleidung oder Bewegung) beim Trocknen von Locken?
Quelle: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter Lockenfriseur:innen (n=25).

Wenn du das Thema wirklich sauber lösen willst, hilft dir der Überblick, welches Handtuch für Locken wirklich geeignet ist. Und wenn du Plopping nutzt, dann bitte technisch korrekt: Plopping Methode für Locken Schritt für Schritt erklärt.

Für alle, die eine reibungsarme Basis fürs Trocknen suchen, sind Bambus Haarhandtücher für Locken und Plopping oft der wichtigste Hebel, um Definition und Haltbarkeit zu stabilisieren.

 

Wann Lufttrocknen an seine Grenzen stößt

Diese Faktoren wirken sich je nach Haarstruktur unterschiedlich stark aus. Besonders bei hoher Haardichte, längeren Haarlängen, porösen Haarstrukturen und sehr empfindlichem Lockenhaar raten viele Friseur:innen dazu, Lufttrocknen zu unterstützen oder gezielt zu kombinieren. Wenn du dir unsicher bist, wie deine eigene Struktur einzuordnen ist, hilft dir unser Guide welchen Lockentyp du hast, um Wellen, Locken und Coily-Hair besser zu verstehen.

LOCKENFRISEURIN Iris Scheuermann von „haarverliebt“

„Lufttrocknen wird online oft vereinfacht dargestellt. In der Praxis ist es weder grundsätzlich richtig noch falsch. Entscheidend sind Haarstruktur, Reibung, passende Produkte und die gewünschte Definition.“

Diagramm: In welchen Fällen rätst du Locken-Kund:innen eher vom reinen Lufttrocknen ab?
Quelle: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter Lockenfriseur:innen (n=25).

Der Diffusor als Werkzeug, nicht als Gegenspieler

Viele Curly-Routinen vermeiden Hitze grundsätzlich. In der Praxis sehen Friseur:innen den Diffusor differenzierter. Kontrolliertes Föhnen mit Diffusor kann Vorteile bieten: Die Lockenform wird schneller fixiert, die Trockenzeit verkürzt und Reibung reduziert. Voraussetzung sind angepasste Temperaturen, moderater Luftstrom und saubere Technik.

Ramin Dell von Luxury Hair

„In der Praxis sehen wir oft bessere Ergebnisse, wenn Locken kontrolliert und zügig getrocknet werden. Diffusen kann die Definition verbessern und Frizz reduzieren – vorausgesetzt, Technik und Produkte stimmen.“

Mona Haase von der The Art of Curls Academy

„Locken dürfen lufttrocknen, sollten aber nicht stundenlang nass bleiben. Zu lange Feuchtigkeit kann die Haarstruktur schwächen, Frizz fördern und auch die Kopfhaut belasten. Ideal ist oft eine Kombination aus kurzem Antrocknen und anschließendem sanften Diffusen bei niedriger Hitze.“

Astrid Schmidt-Hock von ASH Education / HaarSchmidt

„Ich rate nicht zum reinen Lufttrocknen. Eine gleichmäßige Locke vom Ansatz bis in die Spitzen lässt sich mit dem Diffusor stabiler ausformen, sodass Sprungkraft und Haltbarkeit besser erhalten bleiben.“

Auswirkungen auf die Kopfhaut werden oft unterschätzt

Neben Haarstruktur und Definition spielt auch die Kopfhaut eine zentrale Rolle beim Trocknungsprozess. Einige Friseur:innen weisen darauf hin, dass eine über längere Zeit feuchte Kopfhaut problematisch sein kann.

Susan Büchner von Miss Cuty

„Zu langes Lufttrocknen kann nicht nur den Haaren, sondern auch der Kopfhaut schaden. Bleibt sie über Stunden feucht, entsteht ein warmes Milieu, das Hautirritationen begünstigen kann. Zudem ist nasses Haar besonders anfällig für Reibung und Zug, was schnell zu irreversiblen Schäden führt.“

Was bedeutet das für deine Routine?

Wenn du definierte, haltbare Locken willst, ist die Frage selten nur „Luft oder Diffusor“, sondern: Wie schnell bekommst du überschüssiges Wasser kontrolliert raus? Wie minimierst du Reibung in der nassen Phase? Und wie stabilisierst du Form und Ansatz, bevor die Locke an Halt verliert?

Wenn du herausfinden willst, welche Trocknungsmethode und welche Routine wirklich zu deinen Locken passt, kannst du mit unserem einfachen Test herausfinden, was für deine Locken aktuell Priorität hat.

Für den Fall, dass du dir eine strukturierte, alltagstaugliche Routine aufbauen willst, ist zusätzlich der CurlCare Selfcare Guide für Lockenroutinen als Wissensbasis sinnvoll, weil er genau diese Stellschrauben verständlich verbindet.

 

Fazit

Die Umfrage zeigt deutlich: Es gibt keine pauschal richtige Trocknungsmethode für Locken. Weder Lufttrocknen noch Föhnen sind per se richtig oder falsch. Entscheidend sind Haartyp, Ausgangszustand, Technik und Material. Lufttrocknen kann eine geeignete Methode sein – aber nicht automatisch, nicht unvorbereitet und nicht für jeden Lockenkopf.

Eine zitierfähige Kurzfassung für Redaktionen findest du hier: Studien-Kurzfassung für Presse: Lufttrocknen vs. Diffusor bei Locken.

 

Quellenhinweis: Curly’N’Covered, eigene Umfrage unter spezialisierten Lockenfriseur:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (n=24). Die Diagramme dürfen unter Nennung der Quelle verwendet werden.